Dreiecke

Aus der dritten Sitzung der Vorlesung „Kulturen der Sinne“ vom 05.03.2015

vom 12. März 2015

Nachdem in der Vorwoche das Augenmerk auf das Sehen gerichtet wurde, wurden diesmal sinngemäss die Ohren für das Hören gespitzt.

Wird bei der Erforschung von alltagskulturellen Phänomenen der Fokus auf Klänge und das Hören gelegt, so lässt sich exemplarisch die Bedeutung dieser Sinnesfacetten für die Aushandlungsprozesse und das Entstehen sowie Aufrechterhalten von kulturellen Bedeutungsgeweben aufzeigen. Hierbei handelt sich um einen Forschungszugang, der von der Soundscape-Forschung (vgl. z.B. Murray Schafer), über die kulturhistorischen Sound Studies (vgl. z.B. Alain Corbin) bis hin zur Sensory Anthropology (vgl. z.B. Steven Feld) immer grössere Wellen zu schlagen weiss.

In den drei Vorträgen spielte der Begriff der Identität eine zentrale Rolle. Einerseits wurde die Nationale Identität, die durch Klänge bzw. Musik mitgeformt werden kann, thematisiert. Dr. des. Johannes Müske und Thomas Järmann M.A. gehen in ihrem SNF-Projekt „Broadcasting Swissness“ unter anderem der Frage nach, wie sich der Schweizerische Kurzwellendienst Arthur Honeggers Musikstück „Fin de la Fête et ‹Alpeglüe› / Fäschtabschluss und Alpeglüe“ zu Eigen machte, missdeutete und für seine eigenen Zwecke „missbrauchte“. Das Musikstück mit seinen vielen Referenzen zu „Schweizer“ Volksliedern bot sich in der Zeit des Zweiten Weltkriegs ideal als Mittel zur Identitätsstiftung bzw. –stärkung im Sinne der geistigen Landesverteidigung an.

Andererseits lassen sich Klänge und der Umgang mit dem Hören auch mit der Konstruktion von „privater“ Identität verbinden. Dr. Ute Holfelder Projekt Kopfhörer hat zum Ziel, Erkenntnisse zu den kulturellen Praktiken rund um Kopfhörer und deren Gebrauch zu gewinnen. Kopfhörer ermöglichen es Akteuren – unabhängig von Raum und Zeit – sich individuelle Sound- oder „Schutzhüllen“ aufzubauen, sich quasi im öffentlichen Raum eine private, selbstbestimmte Sphäre zu schaffen. Die Kopfhörer werden so für das Individuum zum Instrument der Raumaneignung und Selbstermächtigung – sie können aber auch als Instrument der Isolation gedeutet werden.

Ob das Werk eines Musikers unwillentlich umgedeutet wird, oder sich Menschen an vermeintlich abgekapselten Mitmenschen stören, Spannungen rauschen beim Hören immer im Hintergrund mit. Doch Spannung belebt die Sinne und daher warten wir mit Spannung auf die nächsten Vorträge!

Pascal Burkhard & Tobias Füchslin