Dreiecke

Aus der sechsten Sitzung der Vorlesung „Kulturen der Sinne“ vom 26.03.2015 – Teil 1

vom 10. April 2015

Lic. phil. Sibylle Künzler setzt sich in ihrer Dissertation mit „Google Maps Streetview“ auseinander und lieferte im ersten Teil der heutigen Vorlesung reichhaltige Informationen zur Erforschung des (digitalen) Raums.

Sinneswelten – Reise durch virtuelle und „augmentierte“ Räumlichkeiten

Wohin geht die Reise? Die Begrifflichkeit „augmentierte Räumlichkeiten“ stammt aus dem Englischen („augmented Reality“). Wir bewegen uns durch drei sich überlappende Felder:

sibylle_kuenzler

1) Raumforschung

Was passiert? Es ist eine Bewegung festzustellen, weg vom „territorialen Container“ und hin zum „relationalen Konzept“, in dem die Akteure den Raum selbst herstellen.

Wo sind wir? Aus einem Fokus-Wandel hin zur Betrachtung der Räumlichkeit (Spatial Turn) folgte die Ausdehnung des Feldes auf Landschaften, Bild- und Texträume (Topographical Turn). Durch die Abkehr von Objekten wurde die „augmentierte“ Realität aus einem Ensemble von Disziplinen – der Informatik, Medienwissenschaft und „[…] klassische Designdisziplinen“ (vgl. Hornecker 2008, S. 244) – erschlossen (Topological Turn).

2) Medientechnisches Arrangement

Wo geht’s lang? Neu werden nicht Elemente, wie die digitale Landschaft des Spiels, analysiert, sondern die Interaktion mit dem Spiel. Die Fokussierung auf das rein Visuelle gehört aus dieser Perspektive der Vergangenheit an. Neue Wichtigkeit erlangen hierbei ein greifbares Interface sowie eine interaktive Benutzeroberfläche.

3) Sensory Ethnography

Wo finden wir den Zugang? Dieser gelingt über das Auge hinaus (vgl. Bendix 2006), aber nicht nur dies, sondern gelingt unter Berücksichtigung aller Sinne (vgl. Pink 2010). Es sollen keine Reduktionen vorgenommen werden. Vielmehr dienen die Sinne als Erweiterung des Wahrnehmungsspektrums, auch durch Nutzung des sechsten Sinns oder das taktile Sehen.

Was können wir mitnehmen? Der aktuelle Fokus geht – einerseits aufgrund der technischen Erneuerungen, andererseits aufgrund von Interessenverschiebungen – weg vom Visuellen hin zur multisensorischen „[…] Vielfältigkeit unsere[r] Alltagswelt“ (vgl. Hornecker 2008, S. 235)

Eine Reise durch den Raum: Zur Illustrierung des Diskutierten und zum Nachdenken regt der Kurzfilm The Powers of Ten von Charles und Ray Eames aus dem Jahre 1977 an. Zum Film

 

Uolf Candrian

 

Quellen

Bendix, Regina: Was über das Auge hinausgeht: Zur Rolle der Sinne in der ethnographischen Forschung. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 102(2006), S. 71-84.

Hornecker, Eva: Die Rückkehr des Sensorischen: Tangible Interfaces und Tangible Interactions. In: Hellige, Hans Dieter (Hg.): Mensch-Computer-Interface. Zur Geschichte und Zukunft der Computerbedienung. Bielefeld: Transcript Verlag, 2008, S. 235-254.

Pink, Sarah: Doing Sensory Ethnography. London: Sage, 2010.