Dreiecke

Aus der neunten Sitzung der Vorlesung „Kulturen der Sinne“ vom 23.04.2015

vom 2. Mai 2015

Bei der Sinneswahrnehmung kommt dem Raum eine zentrale Bedeutung zu. Der Raum als relationales und als praxeologisches Phänomen kann wiederum nicht ohne Einbezug des Körpers gedacht werden, da er durch diesen erleb- und erfahrbar wird. Passend zu diesen Überlegungen folgt hier mein Resümee zweier Vorträge, die sich in unterschiedlicher Weise mit Raum- und Präsenzerfahrung auseinandersetzten.

In einem ersten Vortrag stellte Sarah Willner ihr Dissertationsprojekt „Historisches erleben. Präsenzerfahrung abseits von Didaktik“ vor.

Nicht nur ein Wanderweg selbst und die Bedingungen eines Ortes, an dem man sich bewegt, beeinflussen die Wahrnehmung – vielmehr haben auch das eigene Tun oder Nicht-Tun einen grossen Einfluss auf das Erleben. Die Gegebenheit der Umwelt können verschiedene Präsenzerfahrungen ermöglichen. Im Rahmen einer ethnographischen Feldstudie setzte sich Sarah Willner mit Wanderern auseinander und ging Fragen nach wie „Was tun Wanderer eigentlich beim Wandern?“ und „Wie wird die von Wanderern wahrgenommene historische Präsenz auf den Wanderwegen produziert?“ Der Begriff embodied knowledge und wie dieser die Vorstellungen von prähistorischen Ereignissen beeinflusst, prägt ihre Forschungsarbeit und ermöglicht eine ganz eigene Perspektive auf die Wahrnehmung und Erfahrung von historischer Präsenz – eine Geschichtsaneignung sozusagen, die von der subjektiven Wahrnehmung beeinflusst wird.

Auf weitere Ausführungen zu diesem Thema von Dr. Stefanie Samida und Sarah Willner darf man sich am Donnerstag, den 23.07.2015 im Panel D freuen.

Die Wahrnehmung der Landschaft spielte auch im zweiten Vortrag von Yonca Krahn„Sinnliche Raumerfahrung durch sportliche Praktiken“ – eine wichtige Rolle. Wir bewegen uns weg vom Wandern hin zum Triathlon, bei dem es nicht nur um die sportliche Betätigung geht, sondern auch um die Natur und die Erfahrung dieser.

Ein Zusammenspiel von Landschaft, Körper und Bewegung beeinflusst durch steuerbare Faktoren (wie Wetter, Kleidung und Nahrung) das Erleben des/der Sportlerin. Dieses Erleben umfasst Stimmung und Gefühle wie auch die Wahrnehmung der Atmosphäre und wirkt sich auf die Erinnerung aus. Es sind also sowohl intrinsische als auch extrinsische Faktoren im Spiel, die wiederum Einfluss auf den/die Sportlerin und dessen Raumwahrnehmung haben. Ein Beispiel hierfür wäre, dass ein/e Sportler/in den Wasserwiderstand je nach Anstrengungsgrad unterschiedlich empfinden kann. Durch die sportliche Aktivität und unterschiedliche Intensitätsniveaus verändern sich Körperwahrnehmung und –empfinden, was das Erleben im und Erfahren des Raumes beeinflusst.

In beiden Vorträgen wurde deutlich, dass die Wahrnehmung des Raumes durch die Bewegung des eigenen sinnlichen Körpers verschiedentlich empfunden werden kann. Der Bewegung kommt folglich beim Raumerleben zentrale Bedeutung zu.

Sara Lo Frano