Dreiecke

AUS DER VIERTEN SITZUNG DER VORLESUNG „KULTUREN DER SINNE“ VOM 12.03.2015

vom 23. März 2015

„Wenn wir riechen, dann atmen wir auch. Wenn etwas unangenehm riecht, halten wir die Luft an.“ Mit diesen Worten leitete die am ISEK-Populäre Kulturen doktorierende Aurelia Ehrensperger M.A. ihre Ausführungen zum Themenbereich Atmen ein. Schnell wurde klar, dass sich bei der Auseinandersetzung mit dem Atmen vieles um Grenzen – bzw. deren Verwischen – dreht. Um der Frage nachzugehen, welche Rolle das Atmen im Alltag spielt hat Ehrensperger – neben anderen Zugängen – einen Blog ins Leben gerufen, auf dem sie exemplarisch Medienartikel zum Thema sammelt. Die präsentierten Beispiele liessen vor allem zwei Themenschwerpunkte erkennen: Einerseits wird in Gesundheitsratgebern und Lifestyle-Magazinen eine gesunde und bewusste Atmung gepriesen, die für Körper und Geist als förderlich angesehen wird. Andererseits wird die Thematik in Nachrichten aufgegriffen und LeserInnen vermittelt, dass der unbewusste Atemvorgang – z.B. wegen Stress oder Smog – zur Gefahrenquelle werden kann. Es wird deutlich, dass die Verbindung von Aussen und Innen, von Fremdem und Eigenem, durch das Atmen als verbindende Membran verhandelt, diskutiert und instrumentalisiert werden kann.

Eine Form der Instrumentalisierung findet sich auch im zweiten Vortragsteil wieder, in welchem der Frage nachgegangen wurde: „Wie kommt der Berg in den Käse?“ Sarah May M.A. forscht zu sozio-kulturellen Praktiken der Verortung, bei denen spezifische Produkte durch regionale Zuschreibungen aufgeladen werden und hierdurch einen ideologischen bzw. marktwirtschaftlichen Mehrwert erhalten. May erklärte am Beispiel des Käses Fromaggio Piave, und der zugehörigen (bebilderten) Werbung, welche Verbindungen zwischen Produkt und regionalem Raum eingeschrieben werden (auch wenn diese nur selten im Zusammenhang mit den realen Produktionsverhältnissen stehen). In Erinnerungen und Vorstellungen werden Gerüche und Geschmäcker hierdurch an Orte und Objekte gebunden. Es wird klar, dass Raum und kulinarische Erfahrung in Verbindung stehen und dies offenbart die oft verdeckte – jedoch wichtige – Bedeutung von olfaktorischen und gustatorischen Sinneseindrücken im Alltag.

Jehona Abrashi & Solveig Bethke