Dreiecke

Eine Einstimmung zum Vortrag von Marie Plinke (Panel D) aus dem KdSCamp

vom 17. Mai 2015

Der Jane Austen-Tourismus. Über die Produktion von sinnlich erfahrbaren Räumen

„In der Wahrnehmung der Atmosphäre spüre ich, in welcher Art Umgebung ich mich befinde. Diese Wahrnehmung hat also zwei Seiten: auf der einen Seite die Umgebung, die eine Stimmungsqualität ausstrahlt, auf der anderen Seite ich, indem ich in meiner Befindlichkeit an dieser Stimmung teilhabe und darin gewahre, dass ich jetzt hier bin. […] Umgekehrt sind Atmosphären die Weise, in der sich Dinge und Umgebungen präsentieren.“ ([1] Böhme 1995, S. 96)

Orte wie zum Beispiel die Landschaften, die Jane Austen in ihren Romanen bilderbuchhaft beschreibt, sind mit einer gewissen Atmosphäre behaftet, die auf eine bestimmte Art und Weise in einen Raum ergossen sind. Diesen Atmosphären kann man nur nachgehen, in dem man sie erfährt, man sich ihnen aussetzt und affektiv von ihnen betroffen ist. So pilgern zahlreiche Touristen in die filmreifen Szenarien, um auf die Spuren von Jane Austens Werken zu gehen und sie zu erfahren.

Nach dem deutschen Philosoph Gernot Böhme sind Atmosphären gestimmte Räume, nach denen „Aura“ etwas ist, das leiblich erfahren wird. Sie sind räumliche Träger von Stimmungen, bilden eine gemeinsame Wirklichkeit des Wahrnehmenden und des Wahrgenommenen. Sie sind etwas, das von Dingen, Menschen oder deren Konstellationen ausgeht und auch von ihnen geschaffen wird. Für Böhme sind Atmosphären herstellbar. Atmosphären sind etwas Subjektives, man spürt sie immer nur im eigenen Empfinden, aber andererseits gerade als das, was von einem anderen Menschen, den Dingen oder der Umgebung ausgeht. Bei dem Erforschen der Atmosphären geht es darum zu ergründen, wie man sich in bestimmten Umgebungen fühlt.

Bei dem Literaturtourismus und literarischen Führungen werden bestimmte Sinne angesprochen, die eine gewisse Atmosphäre herstellen. Dies und wie Atmosphären an einem literarischen Ort produziert werden, hat Marie Plinke 2012 in ihrer Masterarbeit im Fach kulturelle Anthropologie an der University of Nijmegen in Holland untersucht und wird sie im Rahmen des Kongresses erläutern. Seit April 2013 ist sie Stipendiatin im DFG-Graduiertenkolleg „Das Reale in der Kultur der Moderne“ an der Universität Konstanz. [2]

 

Solveig Bethke

 

[1] Gernot Böhme: Atmosphäre. Frankfurt am Main 1995.

[2] Vgl. http://kulturendersinne.org/wp-content/uploads/2015/02/Panel-D.pdf