Dreiecke

Eine Einstimmung zum Vortrag von Klaus Schönberger aus dem kdscamp

vom 2. Juni 2015

monalisa„Mona Lisa in aktueller Selfie-Haltung“[1]

„But first, LET ME TAKE A SELFIE“

oder eine neue Art sich selbst zu betrachten und sich mit anderen zu unterhalten?

 

Prof. Dr. Klaus Schönberger[2]

Zunächst möchten wir Ihnen einige Angaben zu Prof. Dr. Klaus Schönberger geben.

Geboren im Jahre 1959, studierte er Empirischen Kulturwissenschaft, Neuere Geschichte und Neuere deutschen Literatur an der Universität Tübingen und in Aix-en-Provence. 1994 promotivierte an der Universität Tübingen. Von 2009 bis 2014 lehrte er an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Zum Anfang des Jahres 2015 wurde er an die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt berufen. Seine Forschungsinteressen liegen unteranderem im soziokulturellen Wandel in zentralen alltäglichen Lebensbereichen, der Digitalisierung und sozialen Bewegungen.

Für Interessierte: vom 29.09.2015 bis 31.09.2015 findet an der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt eine wissenschaftliche Konferenz zum Thema „Bewegtbilder und Alltagskultur(en) – von Super 8 über Video zum Handyfilm. Praktiken von Amateuren im Prozess der gesellschaftlichen Ästhetisierung“ statt.[3]

Aber nun zum eigentlichen Thema des Vortrages von Prof. Dr. Klaus Schönberger. Vermutlich hat es jeder schon einmal getan: ein Selfie. Aber was ist dieses „Selfie“ überhaupt? Laut Duden ist es ein „mit der Digitalkamera (des Smartphones oder Tablets) meist spontan aufgenommenes Selbstporträt einer oder mehrerer Personen“[4].

Am Anfang des Abstracts[5] erwähnt Schönberger die Ubiquität des ‚Selfies’ und nicht nur die des Selfies an sich, sondern auch ihr Vorkommen in populärkultureller Diskurse, wie sich im Song „#Selfie“ des DJ Duos Chainsmokers zeigt.[6] Wir wollen Ihnen den Inhalt dieses Songs nicht vorenthalten.

Der Song erzählt aus der Perspektive einer jungen Frau, wie sie um die Aufmerksamkeit eines Mannes namens James buhlt. Zur der Enttäuschung der Protagonistin befindet sich dieser im gleichen Club, jedoch mit einer Anderen. Ihr Missfallen äussert sich durch die negative Kritik an der äusserlichen Erscheinung der Konkurrentin. Um ihr angekratztes Selbstbewusstsein wieder aufzubauen, macht sie mit ihrem Smartphone ein Selfie von sich, in der Hoffnung viele ‚Likes’ zu bekommen. Ihre Unsicherheit kommt zum Ausdruck, als sie sich überlegt das Bild zu löschen, aufgrund fehlender ‚Likes’. Ziel ist ein neues, besseres Selfie zu machen. In Begriff dies zu tun, erhält sie doch noch eins von einem Typen namens Jason. Ihre Gedanken machen eine überraschende Kehrtwende: „Ich denke, ich habe ein gutes Selfie gemacht.“ Im Gefühlsbad ihrer wiedergewonnenen Selbstverliebtheit zieht sie den Schluss, weitere Selfies zu machen.

‚Und die Moral aus der Geschicht’: Selfies kann man, oder nicht.[7]

Unserer Ansicht nach trifft dieser Text den Nerv der Zeit. Wer von uns kennt schon nicht die selbsternannte Queen der Selfies: Kim Kardashian? Sie hat es soweit getrieben, dass sie mittlerweile sogar ein eigenes Buch, gefüllt mit über neun Jahre lang geschossenen Bildern, herausgebracht hat.[8] Wir stellen uns nun die Fragen: ist darin ein beinahe krankhaftes, narzisstisches Verhalten zu erkennen? Was treibt eine junge Frau dazu, sich so auf das Äusseres reduzieren zu lassen?

Schönberger kritisiert, dass die sinnliche Dimension zu oft zu einer Residualkategorie gerät, anstatt sie als Mittel der Kulturanalyse heranzuziehen. Er plädiert dafür, Praktiken wie dies des Selfie auf spezifische Ebenen des soziokulturellen Wandels und der Alltagskulturen zu befragen. Deshalb schlägt er vor, auf Grundlage einer fotodokumentarischen Feldforschung sowie eines Lehrforschungsseminars theoretische und methodische Implikationen zu diskutieren. Wir freuen uns auf die Erkenntnisse dieser Diskussion.

Verena Halstrick & Livia Trinkner

 

[1] http://www.idigitaltimes.com/iphone-6-camera-enable-double-tap-selfie-mode-ios-default-camera-taptapflip-cydia-
411542 (Abgerufen: 25.5.2015, 16:41).

[2] http://www.uni-klu.ac.at/klm/inhalt/838.htm (Abgerufen: 28.5.2015, 16:01).

[3] http://technikforschung.twoday.net/topics/CallForPapers (Abgerufen: 28.5.2015, 16:20).

[4] http://www.duden.de/rechtschreibung/Selfie (Abgerufen: 25.5.2015, 17:41).

[5] Abstract http://kulturendersinne.org/wp-content/uploads/2015/03/Schoenberger_neu.pdf (Abgerufen: 24.5.2015,

17:30).

[6] http://www.songtexte.com/songtext/the-chainsmokers/selfie-5b464fa8.html (Abgerufen: 28.5.2015, 17:21).

[7] Anmerkung der Autorinnen.

[8] http://www.telegraph.co.uk/culture/photography/11577806/kim-kardashian-selfish-selfie-book-review.html (Abgerufen: 28.5.2015, 17:52).